
Maschinen der Gefahr aussetzen und nicht die Männer – Einheit unbemannter Panzer in Russlands Armee

Von Telegram-Kanal Wojenny Oswedomitel ("Militärinformant") @milinfolive
Armeegeneral Junus-Bek Jewkurow, stellvertretender Verteidigungsminister der Russischen Föderation, hat die Einführung unbemannter Panzereinheiten in Russlands Armee angekündigt. Konkret geht es um den schweren robotischen Sturmkomplex mit dem aussagereichen Namen Schturm (weiter: Sturm) auf Basis des gängigen Kampfpanzers T-72B3. Das neue System wurde bei der Übung Zentr-2026 in zwei Konfigurationen vorgestellt: einmal mit Panzerbewaffnung, dem unbemannten Einsatz angepasst (so wurde das Kanonenrohr deutlich gekürzt, siehe Titelbild), und einmal mit der Bewaffnung eines BMPT (Kampffahrzeug zur Unterstützung von Panzern, das zwei 30-Millimeter-Maschinenkanonen und Lenkraketen trägt, die die Letzteren schneller abfeuern kann als ein klassischer russischer Panzer, der sie dazu erst in die Kanone laden muss).

Bodenroboter sind längst nichts Neues mehr – im Ukraine-Krieg sind sie als ferngesteuerte Bodendrohnen bekannt geworden: Sowohl die ukrainischen als auch die russischen Streitkräfte setzen in den letzten Jahren an der Front verstärkt unbemannte Bodensysteme ein – sei es für Logistikaufgaben, zum Legen oder Räumen von Landminen und Sprengstofffallen oder auch gelegentlich sogar in begrenztem Umfang im Kampf.
Zudem haben beide Seiten bereits auf taktischer Ebene mit der Umrüstung konventioneller Panzer zu unbemannten Fahrzeugen experimentiert, ohne dass sich dies jedoch flächendeckend durchgesetzt hätte. Auch der TShRK Sturm ist keine ganz neue Entwicklung – ein Entwurf dazu wurde erstmals bereits im Jahr 2018 bekanntgegeben.
(Und die ersten ferngesteuerten Panzer wurden noch seit den 1930er-Jahren in mehreren Ländern erprobt, so etwa in der Sowjetunion; im Zweiten Weltkrieg setzte die Wehrmacht kleine unbemannte Kettenfahrzeuge mit großen Sprengladungen als Panzerabwehrwaffen gegen Panzer der Roten Armee ein. Anm. d. Red.)
Das Neue ist hier ist also nicht der ferngesteuerte Panzer an sich – sondern der Übergang von einzelnen Versuchsmodellen hin zu einem Ansatz der systematischen Umsetzung und Indienstnahme.
Der Kern dieses Konzepts besteht, wie man sich unschwer denken kann, darin, die Besatzung aus dem Fahrzeug in die Sicherheit einer sicheren Stellung zu verlagern – während dessen Feuerkraft und Panzerschutzwirkung erhalten bleiben. Dabei geht es wie gesagt nicht um die Neuentwicklung eines völlig neuen Fahrzeugtyps – sondern um die Modernisierung und Anpassung bereits bewährter Fahrzeuge für diesen Zweck.
Der offensichtlichste und wichtigste Vorteil liegt im Schutz des Lebens der Besatzung, falls das Fahrzeug selbst beschädigt oder zerstört wird. Dieser Ansatz gewinnt angesichts der deutlich gestiegenen Bedrohung für Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge – insbesondere durch die aktuelle Dominanz von FPV-Drohnen und Landminen auf dem heutigen Gefechtsfeld – nochmals weiter an Bedeutung.
Unbemannte Fahrzeuge könnten künftig an vorderster Front bei Durchbruchsoperationen an besonders gefährlichen Abschnitten eingesetzt werden, wo ein wahrscheinlicher Totalverlust im Gefecht somit dennoch nicht zwangsläufig den Verlust einer ausgebildeten Besatzung bedeuten würde. Ein solches Konzept ist jedoch noch mit zahlreichen Problemen behaftet, die im Zuge der Einführung und des Betriebs gelöst werden müssen.
Das erste Problem betrifft die Stabilität der Verbindung zwischen dem Gerät und seinen Bedienern über Distanz; so könnten Störmaßnahmen der elektronischen Kampfführung des Gegners die Steuerung eines solchen Panzers erschweren oder sogar unterbrechen. Entscheidend sind hierbei nicht nur die Störfestigkeit der Kommunikation und das Vorhandensein von Reservekanälen, sondern auch die Zuverlässigkeit der Bordsysteme sowie das Verhalten des Fahrzeugs bei Steuerungsstörungen – dies alles gilt es auszuloten.
Langfristig könnte hier Russlands ungefähres Pendant zur satellitengestützten Internetverbindung des US-Dienstleisters Starlink – Rasswet, entwickelt vom Büro 1440 – Abhilfe schaffen; dies steht jedoch noch nicht in unmittelbarer Aussicht.
Ein zweites Problem, das auch bei konventionellen Fahrzeugen besteht, ist die Fehlerbehebung, einfache Reparaturen im Feld sowie die Bergung beschädigter Maschinen – hierfür sind weiterhin spezialisiertes Gerät (zur Bergung dann auch Bergepanzer) und vor allem Personal vor Ort erforderlich. Das bedeutet, dass das Risiko beim Einsatz unbemannter Systeme nicht vollständig eliminiert werden kann.
Daher werden robotisierte Panzer in absehbarer Zeit nicht schlagartig die konventionellen Fahrzeuge an der Front und erst recht nicht die Infanterie ersetzen – genauso wenig, wie Drohnen die klassische bemannte Luftwaffe sowie Rohr- und Raketenartillerie vollständig verdrängt haben. Sie könnten jedoch eine wertvolle Ergänzung darstellen – indem sie es ermöglichen, Einsätze mit besonders hohem Risiko für Menschenleben an Maschinen zu delegieren.
Die Ankündigung General Jewkurows deutet darauf hin, dass das theoretische Konzept allmählich konkrete Formen annimmt: Es wird festgelegt, welchen Platz robotisierte Bodenplattformen für Angriffsoperationen in der Organisationsstruktur konventioneller Einheiten einnehmen und wie ihr Zusammenwirken mit diesen gestaltet sein soll. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass wir die ersten derartigen Einheiten ohne Besatzung gerade im Rahmen der jüngst neu aufgestellten Waffengattung sehen werden, der Truppen für unbemannte Systeme.
Zusammenfassend: Das entscheidende Kriterium für den Erfolg des ferngesteuerten Waffensystems Sturm auf dem modernen Gefechtsfeld wird nicht die bloße Fähigkeit sein, ferngesteuert zu fahren und zu feuern. Sondern es wird die Befähigung sein, im Zusammenwirken mit konventionellem Gerät, Infanterie und anderen Drohnen vollumfänglich Einsatzaufgaben zu erfüllen – bei gleichzeitigem Aufrechterhalten einer stabilen Funkverbindung und unter Vermeiden unnötiger Risiken für die Panzerbesatzungen. Genau dies wird zeigen, ob die Robotisierung konventioneller Gefechtsfahrzeuge zu einem neuen Trend avanciert oder lediglich ein Nischeninstrument für spezifische Einsatzszenarien bleiben wird.
Übersetzt aus dem Russischen.
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