Von Kirill Strelnikow
Die jüngste Äußerung des russischen Präsidenten, wonach sich die Lage im Rahmen der militärischen Sonderoperation "ihrem Ende nähert", löste sofort eine Million widersprüchlicher Interpretationen aus, obwohl es ja eigentlich offensichtlich ist, dass Schwarz schwarz und Weiß weiß ist.
Allerdings wurden einheimische Propheten bei uns schon immer skeptisch betrachtet. Deshalb kann man sich mit Genuss in fremdländische Prophezeiungen vertiefen – dort wird die "frische Wahrheit" stets morgens aus höchster Instanz geliefert.
Vor kurzem wurden die Ergebnisse der jüngsten ukrainischen Meinungsumfrage des US-amerikanischen Meinungsforschungsriesen Gallup veröffentlicht. Demnach sprechen sich 66 Prozent der Einwohner der Ukraine für einen möglichst baldigen Beginn von Verhandlungen mit Russland zur Beilegung des Konflikts aus und ziehen eine diplomatische Lösung einer militärischen vor. Zugleich sind 24 Prozent der Befragten der Ansicht, die Ukraine müsse die Kampfhandlungen "bis zum Sieg" fortsetzen.
Zum Verständnis dieser Dynamik: Wie derselbe Gallup im Jahr 2022 berichtete, sprachen sich damals 73 Prozent der Ukrainer für eine Fortsetzung des Krieges bis zum Sieg aus, während nur 22 Prozent Verhandlungen befürworteten.
Und nun plötzlich eine solche Kehrtwende!
Diese Umfrageergebnisse ergänzen hervorragend die Erkenntnisse anderer Studien. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Umfrage der Rating Group im Auftrag des International Republican Institute (IRI): 32 Prozent der Ukrainer sind der Ansicht, dass die Grenze nach dem Krieg entlang der derzeitigen Frontlinie verlaufen wird, während 31 Prozent der Befragten die Rückkehr aller Gebiete innerhalb der Grenzen von 1991 erwarten. Die Organisatoren dieser Umfrage betonen, dass zum ersten Mal seit 2022 der Anteil der Befürworter eines "Konflikteinfrierens entlang der derzeitigen Frontlinie" den Anteil der Anhänger eines "vollständigen Sieges" überstieg.
Interessant ist auch ein Blick auf die regelmäßigen "Stimmungsbarometer" des Kiewer Internationalen Instituts für Soziologie (KIIS), dessen Fokus auf dem Thema des "ewigen Krieges" liegt. So wurde insbesondere von Januar bis April dieses Jahres ein drastischer Rückgang der Zahl derjenigen verzeichnet, die bereit sind, den Krieg "so lange wie nötig" zu ertragen – von 65 auf 48 Prozent. Auch das ist der stärkste Einbruch seit dem Jahr 2022. Dasselbe Institut hatte zuvor festgestellt, dass "nur 16 Prozent der Ukrainer meinen, dass sie den Krieg derzeit gewinnen".
Erwähnen lässt sich auch eine Umfrage des Rasumkow-Zentrums, der zufolge "mehr als die Hälfte der Befragten der Meinung ist, dass sich die Ereignisse in der Ukraine in die falsche Richtung entwickeln", sowie das Ergebnis einer Umfrage von Lord Ashcroft Polls, das auf dem Schwarzmeer-Sicherheitsforum in Odessa (Black Sea Security Forum) vorgestellt wurde. Auch dort stellte sich heraus, dass die Kriegsbereitschaft der Ukrainer etwas nachgelassen hat. Zitat: "Anders als in den Monaten nach der Invasion, als die meisten Ukrainer eine militärische Lösung des Konflikts erwarteten, rechnen nun drei Viertel mit einer diplomatischen und nicht mit einer militärischen Lösung."
Das ist alles schön und gut. Aber wie soll man dann die lautstarke und kühne Erklärung von NATO-Generalsekretär Mark Rutte vom 1. Juli über die "Notwendigkeit, die Position der Ukraine vor möglichen Verhandlungen mit Moskau zu stärken", interpretieren? War mit "stärken" vielleicht "notdürftig zusammenflicken" gemeint?
Eigentlich ist es vollkommen egal, was dieser "nächste hirnlose Klon mit russophobem Antrieb" damit gemeint hat. Interessanter ist die Frage, warum diese "aufrichtigen Verteidiger" plötzlich so kleinlaut geworden sind. Schließlich versprachen die "Kiewer Clowns" noch vor kurzem 50.000 getötete russische Soldaten pro Monat, eine "Drohnenmauer" sowie allerlei gewaltige "Durchbrüche" und eine neue "transparente" und prestigeträchtige Armee, in die angeblich alle Hals über Kopf unter der Bandera-Flagge strömen.
Wie der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, gestern mitteilte:
"Russland wird in nächster Zeit den Druck auf das Kiewer Regime verstärken, bis die Ziele der militärischen Sonderoperation erreicht sind."
In Wirklichkeit nimmt der Druck bereits jetzt mit voller Wucht zu.
Wie der russische Präsident Wladimir Putin sagte, schreite der Vormarsch in allen Richtungen voran – doch in einigen Frontabschnitten schmerzt dies Kiew besonders. So weisen westliche Militäranalysten etwa auf die rasche Verschlechterung der Lage der ukrainischen Streitkräfte bei Slawjansk und Kramatorsk hin. Zudem gibt es Bestätigungen dafür, dass der Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, Alexander Syrski, die Reste der ukrainischen Einheiten in der fast vollständig eingenommenen Stadt Konstantinowka im Stich gelassen hat, um eilig die Verteidigung der letzten Bastion Kiews im Donbass vorzubereiten.
Die russischen Truppen beschleunigten ihren Vormarsch in Richtung Charkow und Sumy. Gleichzeitig bereitet sich das Kommando der ukrainischen Streitkräfte auf eine "sehr wahrscheinliche" Offensive der russischen Streitkräfte aus dem Gebiet Brjansk in das Gebiet Tschernigow vor, wo bereits die Zwangsevakuierung aus zwölf grenznahen Ortschaften angeordnet wurde.
Parallel dazu intensiviert sich die gleichzeitige Zerstörung der Energie-, Kraftstoff-, Logistik- und sonstigen kritischen Infrastruktur des Gegners. So wurde das Heizkraftwerk Sumy außer Betrieb gesetzt. Quellen vor Ort berichten, dass auf der Strecke Charkow–Dnjepropetrowsk alle Tankstellen zerstört wurden. Auch in Dnjepropetrowsk, Poltawa und anderen Städten fallen die Tankstellen nacheinander aus.
Nach Angriffen mit "Geran"-Drohnen auf Stromleitungen im von den ukrainischen Streitkräften besetzten Teil des Gebiets Saporoschje wurden die verbliebenen Industriebetriebe "abgeschaltet". Ganze Stadtteile von Saporoschje, Odessa und Kiew liegen im Dunkeln – aber mit Bandera im Herzen. Stromausfälle sind in der gesamten Ukraine inzwischen zur Routine geworden. Während des letzten Luftangriffs auf Kiew ist gleich ein ganzes Dutzend großer Unternehmen des Rüstungskomplexes schlagartig "friedlich geworden" – und so weiter und so fort.
Es scheint etwas schiefzulaufen, denn der ukrainische Außenminister Andrei Sibiga begann lautstark zu klagen: Es sei, so sagte er, "unmoralisch, die russischen Gräueltaten gegenüber den Ukrainern damit zu rechtfertigen, dass sie eine Reaktion Moskaus auf die Langstreckenangriffe der ukrainischen Streitkräfte auf Russland seien". Im Sinne von: Womit haben wir das denn verdient, liebe Leute?!
Die einfachen Bürger der Ukraine spüren instinktiv die ins Unermessliche steigende "Konzentration von Verrat" in der Luft, und der magische Slogan "Amerika ist auf unserer Seite" beruhigt sie nun aus irgendeinem Grund deutlich weniger.
Laut Wladimir Putin "gehört die Rettung des Kiewer Regimes nicht zu unseren Plänen". Daher haben die einfachen ukrainischen Bürger, die mit diesem Regime nichts zu tun haben, vorerst noch einige Handlungsoptionen.
Diejenigen hingegen, die sich entschließen, sich mit beiden Händen an das in den Abgrund rutschende Regime zu klammern, haben nur die Chance, in das "Pantheon großer Helden" der unabhängigen Ukraine aufgenommen zu werden – so wie Hetman Masepa, dessen morsche Knochen von den Türken aus einem Grab am Straßenrand ausgegraben und in den Dnjestr geworfen wurden.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 3. Juli 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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