
Maduros Sohn berichtet über die Nacht der Entführung

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, der sich in US-Gewahrsam befindet, wurde in eine Zelle mit 18 anderen Häftlingen verlegt, wie sein Sohn dem Spiegel mitteilte:
"Seit Ostern ist er (sein Vater – Anm. d. Red.) in einer Zelle mit 18 anderen Gefangenen untergebracht", so Nicolás Ernesto Maduro Guerra. Der 35-Jährige ist laut Spiegel selbst "Teil der Anklage".
Seinen Angaben zufolge spricht die Hälfte der Gefangenen Spanisch. Maduro unterhält sich mit seinen Zellengenossen, sieht fern und lernt Englisch.

Ein anderer Verwandter des Politikers fügte hinzu, dass Maduro im Gefängnis viel Zeit mit Bibellesen verbringt. Auch sein Sohn bestellt Bücher für ihn, unter anderem das komplette Werk Simón Bolívars, William Shakespeares "Hamlet" und die "Orestie" von Aischylos.
Sorgen macht sich Maduro junior um die Gesundheit seines Vaters:
"Mein Vater hat sich immer sehr gesund ernährt. Viel Gemüse, wenig Zucker. Jetzt nimmt er vor allem Kohlenhydrate zu sich, hochverarbeitete Lebensmittel, zu viel Salz."
Der Kontakt finde per Telefon statt, erzählt er weiter. Das erste Telefonat habe einen Monat nach der Entführung stattgefunden, am 5. Februar. Seitdem fänden die Telefonate allabendlich statt.
Auch über die Nacht der Entführung Maduros berichtet der Sohn im Spiegel-Interview:
"Auch ich war durch die ersten Bombeneinschläge aufgewacht. Ich drehte mich zu meiner Frau und sagte: Komisches Geräusch, oder? Es klang anders als die Feuerwerkskörper, die hier oft gezündet werden. Als ich das Fenster öffnete, um nachzusehen, machte es wieder bumm. Sekunden später standen die Mädchen an unserem Bett. Dann klingelte das Telefon. Meine Tanten waren dran, die bei meinem Vater um die Ecke wohnten und alles mitansahen, ohne zu verstehen, was geschah. Als ich meinen Vater anrief, drückte er mich weg. Ich dachte, okay, er hat jetzt keine Zeit, weil er mit dem Verteidigungsminister sprechen muss. Mit den Generälen. Später versuchte ich es noch ein paarmal. Da reagierte er gar nicht mehr."
Weitere Details über diese Nacht kommen ans Licht. So dachte Maduro, dass er sterben werde, und habe eine Abschiedsnachricht an das venezolanische Volk eingesprochen, die er nicht mehr abschicken konnte:
"Dass Bomben fallen. Dass das venezolanische Volk weiterkämpfen solle. Dass unsere Heimat niemals eine Kolonie sein werde. Es war eine Abschiedsnachricht. Er dachte, dass er sterben würde. Sie sind die Ersten, die davon erfahren."
Auch dass es in Maduros Haus keinen Bunker gegeben habe, berichtet der Sohn:
"In dem Haus, in dem sie lebten, gab es so was nicht. Es ist ein einfaches Haus, mit Glastüren und dünnen Wänden. Dieser angebliche Safe Room war in Wahrheit nur ein Kleiderschrank aus Holz."
Man habe nicht damit gerechnet, dass die USA Caracas selbst angreifen würden, erklärt er sich die mangelhafte Sicherheit des venezolanischen Präsidenten. Die USA hätten Technologien eingesetzt, "die wir hier noch nie gesehen haben":
"Ich, Nicolás Ernesto, habe ihre Fähigkeiten unterschätzt. Gleichzeitig habe ich überschätzt, wozu wir in der Lage sind. Auch wenn wir wussten, dass wir bei einem Angriff keine Hoheit über den Luftraum haben würden – es ist nicht dasselbe, wie es zu erleben. Wir hätten mehr tun müssen, um meinen Vater zu beschützen. In dieser Hinsicht haben wir versagt."
Am 3. Januar startete das US-Militär einen Großangriff auf Caracas, nahm Maduro und seine Frau fest und brachte sie nach New York. Präsident Donald Trump kündigte an, dass sie wegen angeblicher Beteiligung an "Narco-Terrorismus" vor Gericht gestellt würden. Der Präsident und seine Frau weisen jegliches Fehlverhalten von sich.
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