Warshs Debüt bei der Fed: Zinspause mit Ansage eines Kurswechsels

Trotz des politischen Drucks aus dem Weißen Haus blieb die Fed bei ihrer datenbasierten Linie. Warsh nutzte seine erste Sitzung, um Unabhängigkeit zu demonstrieren und strukturelle Reformen anzustoßen. Warsh betonte, die Fed werde weiterhin für Preisstabilität sorgen. Er sehe jedoch keinen fundamentalen Konflikt zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Unterstützung des Arbeitsmarkts.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh die Leitzinsspanne bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die Entscheidung fiel am Mittwochabend einstimmig. Damit setzte Warsh die seit mehreren Sitzungen andauernde Zinspause fort – trotz des anhaltenden Drucks von US-Präsident Donald Trump auf deutliche Zinssenkungen.

Die eigentliche Botschaft der Sitzung lag jedoch nicht in der Zinsentscheidung selbst. Warsh nutzte seine erste Pressekonferenz, um einen grundlegenden Wandel in der Kommunikation und der Arbeitsweise der Fed anzukündigen.

Warsh sprach von einem neuen Kapitel für die Notenbank und kündigte an, dass mehrere Arbeitsgruppen bis Ende des Jahres Reformvorschläge in fünf zentralen Bereichen erarbeiten sollen. Dazu gehören die Kommunikation, die Bilanzpolitik, die Nutzung von Datenquellen, Fragen der Produktivität und Beschäftigung sowie der Umgang mit der Inflation.

Sollte die bisherige Praxis der Fed, Märkte mit detaillierten Ausblicken zu führen, tatsächlich beendet werden, so hat Warsh dies bereits bei seinem Debüt signalisiert.

Er verzichtete auf einen eigenen Punkt im Dot Plot (Punktdiagramm), während eine deutliche Mehrheit der Mitglieder für 2026 mit mindestens einer Zinserhöhung rechnet.

Gleichzeitig wurde das Statement gekürzt und der bisherige Hinweis auf weitere Anpassungen entfernt. Die Richtung soll künftig stärker durch interne Arbeitsgruppen statt durch öffentliche Kommunikation vorgegeben werden.

Die Fed hob ihre Inflationsprognose für das laufende Jahr deutlich an. Statt der im März erwarteten 2,7 Prozent rechnet sie nun mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent für 2026. Gleichzeitig senkte sie ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft auf 2,2 Prozent. Diese Revisionen unterstreichen, dass die Notenbank die Inflationsrisiken – auch im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg – ernster nimmt als noch vor wenigen Monaten.

Die Finanzmärkte reagierten auf die Signale zunächst mit Skepsis. Der S&P 500 und der Nasdaq gaben nach Bekanntgabe des Statements und des Dot Plots jeweils um rund 0,6 Prozent nach. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen stieg um elf Basispunkte. Der Dollar legte gegenüber den wichtigsten Währungen zu. Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz erholten sich die Aktienmärkte etwas, blieben aber insgesamt unter Druck.

Trump reagierte auf die Zinspause zurückhaltend positiv. Er nannte die Entscheidung "in Ordnung" und deutete an, dass Zinserhöhungen später durchaus möglich seien.

Warsh steht damit schon zu Beginn seiner Amtszeit vor der Herausforderung, zwischen den politischen Erwartungen aus dem Weißen Haus und der geldpolitischen Realität zu vermitteln.

Mit seiner ersten Sitzung hat Kevin Warsh ein klares Signal gesetzt. Er will die Fed weniger vorhersagbar und weniger abhängig von öffentlichen Ankündigungen machen. Ob ihm das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Ankündigung mehrerer Task Forces deutet darauf hin, dass er strukturelle Veränderungen anstrebt – nicht nur kosmetische Anpassungen.

Für die Märkte bedeutet dies vorerst vor allem eines. Mehr Unsicherheit. Die Zeit der klaren Forward Guidance scheint unter Warsh vorbei zu sein.

Stattdessen werden künftig die tatsächlichen Daten und die internen Diskussionen innerhalb der Fed stärker im Mittelpunkt stehen. Das kann zu mehr Volatilität führen.

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