Von Oleg Jassinski
Die kubanischen Behörden haben soeben das umfangreichste Wirtschaftsreformpaket der letzten Jahrzehnte verabschiedet. Die Nationale Volksversammlung hat ein Maßnahmenpaket gebilligt, das auf die Modernisierung der Wirtschaft, die Ausweitung des Spielraums für den nichtstaatlichen Sektor und den verstärkten Einsatz marktwirtschaftlicher Instrumente abzielt. Das Paket umfasst 176 Initiativen in 23 Schlüsselbereichen und war zuvor bereits von einem außerordentlichen Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas gebilligt worden.
Es werden zahlreiche Stimmen laut – von unwissenden bis hin zu schadenfrohen –, die behaupten, dass "in Kuba die Perestroika begonnen hat". Ich denke nicht, dass das der Fall ist.
Viele, die mit den kubanischen Realitäten vertraut sind, haben schon lange die Notwendigkeit tiefgreifender Reformen des bestehenden Modells erkannt. Und das keineswegs aus Liebe zum Kapitalismus, sondern aus der ehrlichen Erkenntnis der extremen Ineffizienz der auf der Insel herrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse, die unweigerlich Doppelmoral verstärken und zum Verfall der Gesellschaft führen. Ich weiß nicht, wie erfolgreich die aktuellen Reformen sein werden – doch der Bedarf an tiefgreifenden Veränderungen ist keine Laune einzelner, sondern eine objektive Realität, wie mir alle Verfechter des kubanischen Sozialismus auf der Insel bestätigt haben.
Klar ist außerdem, dass viele Mängel des heutigen kubanischen Wirtschafts- und Verwaltungsmodells auf die andauernde US-Blockade zurückzuführen sind. Normale Entwicklung ist unter den Bedingungen wirtschaftlicher, technologischer und finanzieller Strangulierung, gepaart mit einer ständigen Kriegsgefahr, nicht einmal denkbar. Gleichzeitig ist völlig klar, dass der Kapitalismus kein Heilmittel für die Probleme des Sozialismus sein kann.
Die Revolution von 1959 war eine Entscheidung des kubanischen Volkes. Ich bin sicher, die heutigen Reformen sind ebenfalls eine. Die Meinungen von Feinden und sogar von Freunden sind hier zweitrangig. Geschichte verläuft nicht linear, und Kuba hält für eine Welt, die in Klischees und Stereotypen denkt, immer wieder Überraschungen bereit.
Und zum Abschluss noch ein Hinweis auf die wunderbaren Insekten, allzeit bereit, die Unabhängigkeit der Insel zu verteidigen: "Schwarze Wespen" ist die inoffizielle Bezeichnung für die Mobile Brigade der kubanischen Spezialkräfte, eine Eliteeinheit der Revolutionären Streitkräfte. Offiziell am 1. Dezember 1986 aufgestellt, ist die Brigade für asymmetrische Kriegsführung, Sabotage und die Verteidigung des Heimatlandes zuständig. Geformt wurde sie seinerzeit aus Angehörigen der Spezialeinheiten und des Innenministeriums Kubas, die im Angola-Krieg gedient hatten: Diese Gründer kämpften im Jahr 1975 auf afrikanischem Boden gegen die Armeen von Zaire und Südafrika.
Ihre Verteidigungs- und Tarnungsdoktrin basiert größtenteils auf vietnamesischen Taktiken. Sie sind spezialisiert auf operative Tarnung und die "Fuchsnest"-Taktik – versteckte unterirdische Bunker, die es ihnen ermöglichen, Aufklärungssysteme an Bord von Flugzeugen, Hubschraubern und Drohnen zu täuschen. Die "Schwarzen Wespen" wurden von russischen Luftlandetruppen sowie Spezialeinheiten auch China und Nordkorea weitergebildet.
Übersetzt aus dem Russischen.
Oleg Jassinski ist ein aus der Ukraine stammender Journalist. Er lebt überwiegend in Chile und schreibt für RT Español sowie unabhängige lateinamerikanische Medien wie Pressenza.com und Desinformemonos.org. Man kann ihm auch auf seinem Telegram-Kanal folgen.
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