Russlanddeutsche Initiativen in der Russischen Föderation erhalten weiterhin Zuschüsse aus der BRD. Dies zeigt eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags, über die zuerst das Freilich-Magazin berichtet hatte. In Auftrag gegeben hatte die Studie der Außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, der baden-württembergische Abgeordnete Markus Frohnmaier.
Die zehnseitige Ausarbeitung, die den Titel "Finanzielle Förderung von Russlanddeutschen in der Russischen Föderation" trägt (Aktenzeichen WD 4 – 3000 – 044/26), beschäftigt sich zunächst mit den Ausgaben des Bundes für die deutschen Minderheiten in Osteuropa und in den postsowjetischen Staaten im Allgemeinen.
So beträgt etwa die geplante Finanzierung der kultur- und bildungspolitischen Förderung deutscher Minderheiten in Mittelosteuropa und in den GUS-Staaten des Auswärtigen Amtes für das Jahr 2026 etwas über zwei Millionen Euro. Die Ausgaben des Bundesinnenministeriums für diesen Bereich sind um ein Vielfaches höher.
Bezüglich der in Russland verbliebenen Russlanddeutschen geht der Wissenschaftliche Dienst auf Grundlage von Zahlen des Internationalen Verbands der Deutschen Kultur (IVDK) davon aus, dass heutzutage noch rund 500.000 Russlanddeutsche in der Russischen Föderation leben.
Diese in Russland ansässigen Russlanddeutschen hätten zahlreiche Vereine und Verbände gegründet und seien gut und flächendeckend organisiert. Es gebe über 400 örtliche Begegnungszentren und vier Deutsch-Russische Häuser.
Die deutsche Minderheit unterliege indes den in Russland üblichen Einschränkungen der Meinungsfreiheit und sei von einem "zunehmend nationalistisch und militaristisch ausgerichteten Bildungssystem und einer glorifizierenden russischen Geschichtsschreibung betroffen", zitiert die Studie die Ampelregierung.
Bezüglich der finanziellen Förderung der Russlanddeutschen vor Ort durch BRD-Mittel greift die Antwort des Wissenschaftlichen Dienstes auf Daten der Aussiedlerbeauftragten zurück. Demnach habe das Bundesinnenministerium die deutsche Minderheit in Russland von April 2022 bis Mai 2025 mit jährlich rund sieben Millionen Euro gefördert. Die Gelder seien über den IVDK in russische Regionen von Kaliningrad bis nach Fernost geflossen.
In den Jahren 2024 und 2025 habe der Schwerpunkt auf der Förderung von Projekten gelegen, die dem Erhalt der ethnokulturellen Identität dienten, insbesondere der Jugend- und der Spracharbeit. Gefördert worden seien Jugendtreffs, Sprachcamps, Sprachkurse und russlanddeutsche Folklorefeste. Geld sei aber auch an Bedürftige geflossen. Hier werden ältere Personen und "Angehörige der sogenannten Erlebnisgeneration" genannt.
Als konkrete Empfänger von Geldern des Bundesinnenministeriums im Jahr 2026 werden in der Ausarbeitung das Deutsch-Russische Haus in Moskau (305.000 Euro) sowie der Jugend- und Studentenring der Deutschen aus Russland (JSDR) mit 16.000 Euro genannt. Der IVDK bekam 7,3 Millionen Euro, das Institut für ethnokulturelle Bildung 80.000 Euro und die Mawi-Gruppe 349.000 Euro, die unter anderem die Moskauer Zeitung verlegt. Ein großer Schwerpunkt liegt dabei auf infopolitischen Maßnahmen, die diese Institutionen durchführen sollen.
Freilich zitiert die AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier und Denis Pauli, die sich für eine Erhöhung der Fördermittel und einen Dialog mit Russland starkmachen. Letzterer ist der Beauftragte der AfD-Bundestagsfraktion für die Russlanddeutschen und betont, dass diese "nicht zwischen die Fronten geopolitischer Spannungen geraten" dürften.
Pauli erkennt zudem eine besondere Verantwortung Deutschlands für die Russlanddeutschen. Man müsse ihnen helfen, ihre kulturelle Eigenständigkeit und Identität zu bewahren. Ein solches Engagement dürfe "nicht an politischen oder geografischen Grenzen enden".
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