Der Konflikt zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz ist offen eskaliert: Mit einem scharf formulierten Beitrag auf Truth Social griff Trump den deutschen Regierungschef direkt an und warf ihm vor, sich in US-Entscheidungen einzumischen, statt die wachsenden Probleme in Deutschland zu lösen. Der Vorgang markiert einen weiteren Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Berlin und Washington unter der zweiten Trump-Regierung.
Trump schrieb:
"Der deutsche Bundeskanzler sollte mehr Zeit darauf verwenden, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden – wobei er bislang völlig wirkungslos war – und sein kaputtes Land in Ordnung zu bringen, insbesondere bei den Themen Migration und Energie.
Stattdessen sollte er sich weniger in die Angelegenheiten jener einmischen, die die iranische Nuklearbedrohung beseitigen und damit die Welt, einschließlich Deutschlands, sicherer machen. Präsident DJT."
Der Post war eine direkte Reaktion auf Äußerungen von Merz zur US-amerikanisch-israelischen Militäraktion gegen Iran, die seit Wochen den Nahen Osten erschüttert. Der Kanzler hatte das Vorgehen Washingtons als strategisch unklug bezeichnet und vor einer weiteren Destabilisierung der Region gewarnt. Trump wertete dies als Einmischung.
Für Merz kommt der Angriff zu einem heiklen Zeitpunkt. Innenpolitisch befindet sich seine Regierung in schwerem Fahrwasser. Neue Umfragen zeigen ein dramatisches Stimmungstief. Die Union liegt nur noch bei rund 22 Prozent, während die AfD mit 27 Prozent erstmals klar vorne gesehen wird. Die persönliche Zustimmung zum Kanzler ist eingebrochen. In mehreren Erhebungen äußert nur noch eine kleine Minderheit Zufriedenheit mit seiner Amtsführung.
Der Unmut speist sich vor allem aus der wirtschaftlichen Lage. Deutschlands Konjunktur stagniert, die Wachstumsprognosen wurden deutlich gesenkt. Steigende Energiepreise, schwache Industrieproduktion und zunehmende Insolvenzen belasten das Land. Die Arbeitslosigkeit steigt, viele Unternehmen verschieben Investitionen oder verlagern Produktion ins Ausland.
Die Formulierung vom "kaputten Land" ist bewusst provokativ, trifft jedoch auf reale Unsicherheiten. Migration bleibt eines der politisch sensibelsten Themen. Zwar sind die Asylzahlen rückläufig, doch Wohnungsmarkt, Kommunen und Sozialsysteme stehen vielerorts unter Druck.
Auch die Energiepolitik bleibt ein neuralgischer Punkt. Der Ausstieg aus der Kernenergie und die Abhängigkeit von teuren Importen haben Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit geschwächt. Die Spannungen im Nahen Osten verschärfen die Lage zusätzlich.
Beim Ukraine-Krieg wirft Trump Merz "totale Wirkungslosigkeit" vor. Die Wortwahl ist undiplomatisch und ungewöhnlich direkt, benennt jedoch eine bittere Realität: Trotz Milliardenhilfen, Sanktionen und zahlreicher diplomatischer Initiativen ist ein Ende des Krieges weiterhin nicht in Sicht.
Dies zeigt die tieferen Spannungen innerhalb des Westens. Trump verfolgt kompromisslos eine America-First-Linie. Europäische Partner sollen zahlen, folgen und sich zurückhalten. Berlin versucht hingegen, außenpolitisch mitzuwirken, verfügt dabei jedoch nur über begrenzten Einfluss.
Für Merz wird die Lage zunehmend riskant. Außenpolitisch gerät er unter Druck aus Washington, innenpolitisch von einer unzufriedenen Bevölkerung und einer erstarkenden Opposition. Der öffentliche Angriff Trumps könnte sich damit als mehr erweisen als nur eine Episode auf Social Media. Er könnte zum Symbol einer neuen Machtverschiebung zwischen den USA und Europa werden.
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