Drohnenvorfall in Leipzig: Ukrainischer Journalist veröffentlicht Aussage seines Informanten

Vor einer Woche hat der ukrainische Journalist Anatoli Scharij auf X die offizielle Darstellung zum Drohnenvorfall von Leipzig in Frage gestellt. Dabei berief er sich auf einen anonymen Mitarbeiter des Flughafens Leipzig/Halle. Nun hat Scharij die Aussage seines Informanten veröffentlicht.

Der im spanischen Exil lebende ukrainische Journalist und Blogger Anatoli Scharij hat am Dienstag den Mitschnitt der Aussage seines Informanten zu dem Drohnenvorfall in Leipzig veröffentlicht.

Wie berichtet, stellt diese Aussage, deren Kernaussagen Scharij am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Sensationsmeldung publizierte, die offizielle deutsche Version zum Drohnenfund auf dem Flughafen Leipzig/Halle Anfang August in Frage. Der Informant, seinen Angaben nach ein Flughafenmitarbeiter, wollte aus Angst um seinen Arbeitsplatz jedoch anonym bleiben. Im jetzt veröffentlichten Mitschnitt seiner Aussage, offenbar eines Telefonats, ist seine Stimme verzerrt.

Nach Angaben der Quelle habe sich der Vorfall in der Nacht (vom 4. auf den 5. August) beim Beladen eines Frachtflugzeugs im Vorfeld 2 des Flughafens ereignet, wo DHL-Flugzeuge und die ukrainische Antonow-Maschine stationiert waren. Auf dem Mitschnitt der Aussage sagt der Mann, dass es "eine ganz normale, routinemäßige Nachtschicht am Flughafen" war. Die eingesetzten Teams haben die Aufgabe, Flugzeuge in Empfang zu nehmen, diese zu entladen, wieder zu beladen und auf den Weg zu bringen.

Ungewöhnlich wurde es nach der Aussage gegen Mitternacht:

"Im Prinzip alles so wie immer. Aber gegen Mitternacht hörte ich über Funk, dass es bei uns einen Zwischenfall gibt. Als Flughafenmitarbeiter müssen wir jede Ausnahmesituation oder jedes Problem ja melden. Das ist unsere Pflicht. In jener Nacht gegen Mitternacht meldete ein Kollege über Funk, dass eine Drohne auf der Stadt und Landebahn zu sehen war und dass er die mit der Hand abgefangen hatte."

Das sei für sich genommen nichts Einmaliges:

"Drohnen fliegen oft über das Rollfeld. Das ist schon ein ganz alltägliches Phänomen. Planespotter auf der Jagd nach einem guten Foto lassen sie oft aufsteigen, ohne auch nur darüber nachzudenken, wie gefährlich eigentlich dieses Unterfangen sein kann."

Weiter erzählt Scharijs Informant, was in der besagten Nacht anders war:

"Aber in dieser Nacht, ja, in dieser Nacht war irgendwie alles komisch. Irgendwie unnatürlich. Erstens, diese Drohne schien fast zu wollen, dass man sie bemerkt und herunterholt. Sie schwebte direkt vor dem Kollegen, und er drückte sie ganz ruhig zu Boden. Es war eine ganz gewöhnliche Hobby-Drohne. So eine Drohne, wie man sie bei MediaMarkt oder auch Saturn kaufen kann."

Merkwürdig fand der mutmaßliche Zeuge zudem, wie schnell Bundespolizei und auch Journalisten am Fundort aufgetaucht sind:

"Nach der Funkmeldung, dass die Drohne am Boden war, tauchte in kürzester Zeit, vielleicht nach zwei bis drei Minuten, die Bundespolizei mit einem Entschärfungsroboter auf. Es waren der Sicherheitsdienst und erstaunlicherweise auch Vertreter der Presse. Damit sie das einordnen können, um tagsüber auf das Flughafengelände zu kommen, muss man einen Haufen Bürokratischeren überwinden, eine Genehmigung einholen und auch einen temporären Ausweis beantragen. Und hier, mitten in der Nacht, waren alle schon vor Ort. Das kann gar nicht sein."

Der Mann betont weiter, dass "diese Drohne" nicht in der Lage war, "irgendetwas zu tragen":

"Sie kann nur ihr eigenes Gewicht heben. Am nächsten Morgen sehe ich dann diese Drohne, genau diese Drohne in den Nachrichten. Und daneben, in der Nähe eines Antonow-Flugzeugs, liegt ein Sprengstoff bereit, der ja zuvor gar nicht da war."

Zum Flugzeug – der ukrainischen Antonow – hätten Flughafenmitarbeiter keinen Zugang, "absolut keinen", wie der Mann betont. Es stehe "abseits der Maschinen, die wir abfertigen".

Scharij hatte in seinem Ursprungsbericht am 7. September betont, dass damit zwei "grundsätzlich verschiedene" Versionen der Vorgänge am Leipziger Flughafen existieren würden:

"Die öffentliche Version beinhaltet die Entdeckung einer potenziell gefährlichen Drohne und eine anschließende Reaktion der Notdienste. Die Version des Flughafenmitarbeiters besteht darin, dass eine gewöhnliche kleine zivile Drohne auf dem Flughafengelände erschien, dass der Mitarbeiter sie selbst zu Boden gebracht hat und unmittelbar darauf eine Reaktion von Behörden und Medien folgte, die vorab ungewöhnlich gut vorbereitet zu sein schienen."

Die Bundesregierung hatte am 1. September erklärt, dass Russland für einen versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle im vergangenen Monat verantwortlich sei, und ordnete daraufhin eine Reihe von Maßnahmen an, darunter die Schließung des letzten russischen Konsulats und des Russischen Hauses für Kultur und Wissenschaft in Berlin. Moskau wies die deutschen Anschuldigungen als haltlos zurück und wirft Berlin vor, Beweise gefälscht zu haben, um Russland den Angriff anzuhängen.

Auffällig ist, dass er die ihm zugespielten Informationen zum Drohnenfund auf dem Flughafen Leipzig/Halle Anfang August exakt einen Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt publik gemacht hat. Das entspricht dem Vorgehen von Geheimdiensten, die die Überlassung von Exklusivinformationen häufig mit klaren Vorgaben für den Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung verbinden.

Ob die Behauptungen des ukrainischen Journalisten wahr sind, lässt sich aktuell nicht unabhängig überprüfen. Es besteht seit Längerem der Verdacht, dass dem seit 2013 im spanischen Exil lebenden Scharij Insiderinformationen von einem ukrainischen und/oder einem oder mehreren westlichen Geheimdiensten zugespielt werden. Seine Exklusivberichte erweisen sich häufig als wahr, es ist aber auch schon vorgekommen, dass er zu Provokationszwecken in Umlauf gebrachte Falschinformationen verbreitete.

Am Dienstag hat der russische Auslandsgeheimdienst SWR seine Erkenntnisse veröffentlicht, wonach die Geheimdienste von NATO-Staaten nicht an die russische Verantwortung für den Drohnenvorfall auf dem Flughafen Leipzig/Halle tragen, ihren Regierungen von öffentlichen Schuldzuweisungen an Russland abgeraten und auf eine ukrainische Spur hingewiesen hätten.

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