"Meine schönste Rathaus-Sitzung" – Orgie im Mannheimer Rathaus fand trotz Verbot statt

Ein "Politiker zum Anfassen" nennt sich der Mannheimer Stadtrat Julien Ferrat. Am Freitag lud er weitere acht Personen zu einer Swingerparty in einem Gemeinderaum des Mannheimer Rathauses ein. Mögliche Sanktionen wegen "Verletzung der Treuepflicht" nimmt er in Kauf.

Die vom Mannheimer Einzel-Stadtrat Julien Ferrat ("Die Mannheimer") seit Wochen angekündigte Swingerparty (RT DE berichtete) hat nach seinen Angaben nun stattgefunden. Aus einem geplanten "kommunalpolitischen Stammtisch" im Rathaus sei am vergangenen Freitag eine "politische Swingerparty"geworden.

Nach SWR-Informationen ist Ferrat an diesem Abend im Rathaus in Begleitung von anderen Personen gesehen worden. In einem Interview mit T-Online bestätigte Ferrat die Echtheit dieser Informationen und nannte weitere Details zur "Veranstaltung". 

Sieben Männer und zwei Frauen im Alter zwischen 28 und 55 Jahren haben Ferrat zufolge an der Veranstaltung teilgenommen. Es sei eine "kleine, aber feine Swingerparty" gewesen, wobei zwei Männer nur zugeschaut und fünf verschiedene Sex-Aktivitäten mit zwei Damen gehabt hätten. 

"Es gab dann Handjobs, Oralverkehr und Geschlechtsverkehr … Es wurden Intimitäten ausgetauscht, und es war wirklich eine gelungene Swingerparty mit einem großen Maß an Vertrautheit", teilte er mit. Es sei ein Politiker "zum Anfassen" im wahrsten Sinne des Wortes, sagte der Stadtrat stolz, als er gefragt wurde, ob er mit "Bürgernähe" nicht übertreibe. Um es in einem der Räume des Rathauses bequemer zu haben, haben die Veranstalter eine Luftmatratze und eine Decke mitgebracht. 

Doch die "Veranstaltung" verfolgte auch einen politischen Zweck. Er wolle damit seinen Plan vorantreiben, in Mannheim ein FKK-Swinger-Dorf einzurichten, das der Stadt enorme Einnahmen verschaffen könnte. Als Vorbild für sein Vorhaben nennt er das europaweit bekannte Villiage Naturiste in der französischen Stadt Agde. Dort können Menschen auf einer 120 Hektar großen FKK-Anlage den ganzen Tag nackt sein und sich zu Sexpartys an verschiedenen Orten treffen. 

Die Stadt Mannheim teilte mit, Ferrat habe den von ihr zur Verfügung gestellten Raum zweckentfremdet. Es liege nahe, dass hier eine "gröbliche Verletzung der gemeinderätlichen Treuepflicht" durch Ferrat vorliege. Er habe bewusst Grenzen überschritten, um seine Bekanntheit zu steigern, so eine Sprecherin der Stadt. Der Gemeinderat müsse nun entscheiden, ob ihm ein Ordnungsgeld oder Sanktionen auferlegt werden.

In einer ersten Reaktion hat sich der Mannheimer Stadtrat Gerhard Fontagnier (Die Grünen) auf eine SWR-Anfrage geäußert: "Es geht ihm ja eigentlich um provozierte Aufmerksamkeit." Reinhold Götz, Fraktionsvorsitzender der SPD im Mannheimer Gemeinderat, sagte dem SWR dazu: "Aus meiner Sicht ist das völlig inakzeptabel. Hier muss der OB einschreiten."

Ferrat nimmt derlei Sanktionsdrohungen gelassen. Für ein Ausschlussverfahren reicht die Tat nicht und eine mögliche Geldstrafe kann er verkraften. "Sex erzielt die größte Aufmerksamkeit", sagt er. Nach seinen Angaben wurde bereits in mehr als 50 Ländern über seine Aktivitäten berichtet. 

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