Das international agierende Stuttgarter Unternehmen Mercedes-Benz wird laut Medienberichten an diesem Mittwoch am Rande der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin den forcierten Einstieg in den militärischen Drohnenmarkt besiegeln, so Informationen des Spiegels (Bezahlschranke). So werde mit dem Münchner Drohnen-Start-up Tytan Technologies ein "Memorandum" unterzeichnet, welches die zukünftige "strategische Zusammenarbeit" im Bereich der Rüstungsindustrie regeln soll. Geplant sei demnach bereits das Projekt "Drone Defender", ein Drohnenabwehrsystem integriert in ein Mercedes-Modell, wie zum Beispiel auf Basis der G-Klasse.
Das auf "KI-gestützte und autonome Drohnenabwehrsysteme" spezialisierte Münchner Start-up Tytan Technologies wird im Rahmen der heute in Berlin startenden "Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA" laut Süddeutscher Zeitung (Bezahlschranke) eine Kooperation mit dem Stuttgarter Automobilunternehmen Mercedes vorstellen, welche "für beide Seiten wohl ein ziemliches Novum darstellt". Tytan-Manager Max Enders erklärte gegenüber der SZ-Redaktion, dass demnach im Rahmen der Kooperation geplant sei, dass "Mercedes mit seiner G-Klasse hierbei sozusagen als Plattform-Dienstleister fungiert, auf den wir mit unseren Drohnen aufsatteln können".
Bereits im Mai hatte Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius in einem Interview mit dem Wall Street Journal (Bezahlschranke) erklärt, dass der Konzern sich zukünftig auch forciert im Rüstungsbereich engagieren möchte. Zu den "Drone Defender"-Plänen der beiden Unternehmen informiert die Website Auto Motor Sport zu bekannt gewordenen Details:
"Als Trägerfahrzeuge dienen ein Mercedes Sprinter sowie die militärische Variante der G-Klasse, die bei der Bundeswehr als 'Wolf' bekannt ist. Auf den Fahrzeugen sollen Sensoren, Radarsysteme, Kommunikationsanlagen und Startvorrichtungen für Abfangdrohnen installiert werden. Das System ist für den Schutz von Militärstandorten, Flughäfen, Energieanlagen und anderer kritischer Infrastruktur vorgesehen."
Die Spiegel-Redaktion erklärt zum kommenden Projekt, dass der "'Drone Defender' auch im Kriegsgebiet einsetzbar" wäre. Vordergründige Notwendigkeit sei jedoch der Nutzen, das "unmittelbare Ziel", der demnach notwendige Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland, damit nach finaler Verfügbarkeit dann "feindliche Drohnen" durch das gemeinsame System von Mercedes-Benz und Tytan "aufgespürt und abgeschossen werden" könnten.
Diese Darlegung wird gerechtfertigt mit dem zusätzlichen Hinweis, dass "bereits seit einigen Jahren über deutschen Flughäfen und anderen wichtigen Einrichtungen" regelmäßig Drohnen gesichtet worden wären. Die Abfangdrohnen des Start-ups hätten laut SZ-Informationen eine Reichweite von 40 Kilometern und würden bereits "bei der Bundeswehr und in der Ukraine eingesetzt". Dazu heißt es im Spiegel:
"Die Tytan-Waffen samt Abschussrampe können jedoch von der G-Klasse auch abgeladen und am Einsatzort statisch verwendet werden. Geplant ist außerdem, ganze Gruppen von Fahrzeugen zu befähigen, im Verbund auszurücken. In einem solchen Fall könnten Mercedes-Benz Kleintransporter vom Typ 'Sprinter' als Kommandozentralen zum Einsatz kommen, von denen aus die mit Drohnen bestückten Fahrzeuge gesteuert werden."
Laut Informationen des Hamburger Magazins will das Drohnen-Start-up in diesem Sommer in München eine neue Fabrik in Betrieb nehmen, "die es bis Ende des Jahres ermöglichen soll, bis zu 3.000 Drohnen pro Monat zu produzieren". Das Unternehmen wurde laut SZ-Artikel erst im Jahr 2023 von den damaligen Münchner TU-Studenten Batuhan Yumurtaci und Balázs Nagy gegründet und wäre zuletzt "mit rund 100 Millionen Euro bewertet" worden.
Die heutige Unterzeichnung in Berlin wurde nun im Beisein von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche unterzeichnet. Die Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz als "lange etabliertem Bundeswehrlieferanten dürfte Tytan den Zugang zu Kunden erleichtern", so der Spiegel mutmaßend.
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