USA: KI-Boom stößt auf Engpässe bei Stromversorgung

Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz stößt an ihre energetischen Grenzen, sodass KI-Konzerne gezwungen sind, die Energieversorgung ihrer Rechenzentren selbst zu regeln. Unklar bleibt, wer dafür aufkommen soll.

Die Energiewirtschaft schafft es nicht, die US-amerikanischen KI-Rechenzentren mit Strom zu versorgen. Dabei geben Technologieunternehmen einen enormen Strombedarf an. Gleichzeitig werden Rechenzentren schneller gebaut als die Infrastruktur für ihre Stromversorgung. Infolgedessen sind Technologieunternehmen gezwungen, die Probleme der knappen Stromversorgung und des Mangels an Energieausrüstung selbst zu lösen. So plant beispielsweise Elon Musks SpaceX, Komponenten für Gasturbinen selbst herzustellen, um deren Lieferzeiten zu verkürzen, da die Kapazitäten der größten Hersteller bis zum Ende des Jahrzehnts bereits ausgebucht sind. Die Zeitung Iswestija schreibt:

"Die Agentur Reuters hat berechnet, dass in einigen Regionen der USA die Anträge großer Verbraucher, vor allem von Rechenzentren, 700 GW übersteigen. Das ist mehr als das Zehnfache des aktuellen Verbrauchs von US-Rechenzentren. Dabei könnte ein Teil der Nachfrage fiktiv sein: Die Projekte existieren zwar auf dem Papier, verfügen aber beispielsweise möglicherweise nicht über die erforderliche Finanzierung. Dies erschwert die Planung des Ausbaus des Stromnetzes. Es besteht das Risiko, entweder nicht genügend Kapazitäten zu schaffen und damit die Netzsicherheit zu gefährden oder eine überdimensionierte Infrastruktur aufzubauen, deren Kosten letztendlich auf die normalen Verbraucher umgelegt werden.

Das Problem hat sich als so groß herausgestellt, dass die Bundesstaaten begonnen haben, die Regeln für den Netzanschluss zu ändern. Texas war der erste große Standort für Rechenzentren, der neue Anschlüsse ausgesetzt und mit der Überprüfung von Projekten angefangen hat."

Und dieser harte Ansatz zeigt Wirkung. So hat der Chicagoer Energieversorger Exelon nach der Verschärfung der Anforderungen an die finanzielle Absicherung von Projekten seine Schätzung des mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartenden Bedarfs der Rechenzentren um etwa 40 Prozent auf 11 GW gesenkt. In Ohio hat sich der gemeldete Strombedarf mehr als halbiert, nachdem der Bundesstaat im Jahr 2025 eine Gebühr von bis zu 100.000 US-Dollar für die Prüfung der Möglichkeit des Anschlusses großer Rechenzentren an das Stromnetz eingeführt hatte.

Experten sehen die Zukunft des gesamten Rechenzentrumssystems übrigens recht skeptisch. Denn in der Realität ist es unmöglich, alle Wünsche der Eigentümer von KI-Konzernen zu erfüllen – da die für ihre Projekte benötigte Strommenge einfach nicht zur Verfügung steht und auch nicht bereitgestellt werden kann. Das liegt zum Beispiel daran, dass ein neues Rechenzentrum zwar in ein bis drei Jahren errichtet werden kann, der Aufbau der dafür notwendigen Energieinfrastruktur jedoch viel länger dauert – nämlich fünf bis 15 Jahre. Eine schnelle Steigerung der Produktion ist nicht möglich, weshalb die USA weiterhin auf den Import von elektrotechnischen Komponenten, unter anderem aus China, angewiesen sind.

Auch die Gefahr großflächiger Stromausfälle aufgrund des KI-Booms nimmt zu – und sie wird ernst und real. Und es gibt noch ein weiteres Problem: Wer soll für dieses Festmahl bezahlen? Traditionell trägt nicht nur das Rechenzentrum die Kosten. Die Autoren von Iswestija betonen:

"Analysten von Wood Mackenzie warnen, dass ein Teil der Kosten auf die US-Haushalte und Unternehmen abgewälzt wird, wenn diese Vorschriften nicht geändert werden. Es gibt auch Befürchtungen hinsichtlich künftiger Preissteigerungen beim Strom selbst. Experten meinen, dass der Bau neuer Erzeugungskapazitäten bei steigenden Strompreisen wirtschaftlich attraktiv sein wird. Und dann werden alle Verbraucher die Auswirkungen zu spüren bekommen. Das heißt, die gesamte Bevölkerung wird für den KI-Boom bezahlen müssen."

Deshalb leistet man auf lokaler Ebene dem KI-Boom vorerst starken Widerstand – neue Projekte werden auf Eis gelegt, Vorschriften ausgearbeitet, wonach KI-Konzerne alle Kosten selbst tragen müssen, und vieles mehr. Doch wer in diesem Kampf der Titanen, der die gesamte Weltwirtschaftslandschaft verändert, die Oberhand gewinnt, wird die Zeit zeigen.

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