Von Arbjona Çibuku
Die Straßen verschiedener albanischer Städte füllen sich seit Wochen mit Tausenden Demonstranten, die protestieren und ihre Ablehnung gegen ein Luxusresort bekunden, das mit Jared Kushner, Donald Trumps Schwiegersohn, in Verbindung steht.
Die Proteste, die sich auch auf Länder wie Griechenland – wo es eine große albanische Gemeinschaft gibt –, Deutschland oder Großbritannien ausgeweitet haben, haben sich im Laufe der Tage zu einer breiteren Bewegung entwickelt, die das politische und wirtschaftliche Modell des Landes in Frage stellt.
Was als lokaler Konflikt um die Baupläne für das Luxusresort im Naturschutzgebiet Zvërnec in der Stadt Vlorë begann, hat sich rasch zu einer Protestwelle entwickelt, die das ganze Land bewegt. Unter Slogans wie "Albanien ist nicht zu verkaufen", "Rama, tritt zurück" oder "Zvërnec gehört uns" versammeln sich täglich um 18:00 Uhr Tausende Menschen auf den Plätzen des Landes, um ihrer Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen und die Einstellung des Bauprojekts zu fordern.
Der Wendepunkt kam nach der Veröffentlichung eines Videos vor einigen Tagen, in dem ein Demonstrant von einem Wachmann einer privaten Sicherheitsfirma in dem Gebiet, in dem das Resort gebaut werden soll, brutal angegriffen wurde. Die Bilder verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken und lösten starke öffentliche Empörung aus, was die Bevölkerung dazu veranlasste, auf die Straße zu gehen.
Das Auftauchen des Videos markiert ein "Vorher-Nachher" in der Unzufriedenheit, da Menschen, die bis dahin nicht mobilisiert waren, nun ebenfalls aktiv wurden. Innerhalb weniger Tage haben sich die Demonstrationen über Tirana, die Hauptstadt des Landes, hinaus auf andere Städte und albanische Gemeinschaften im Ausland ausgeweitet.
Unterdessen haben die Vorarbeiten für den Bau des 1,6 Milliarden Dollar teuren Tourismuskomplexes bereits begonnen – in einem Gebiet, das seit langem als eines der empfindlichsten Ökosysteme des Mittelmeerraums gilt.
Parallel dazu ist der Bau eines weiteren Großprojekts – ebenfalls mit Jared Kushner verbunden – auf der Insel Sazan im Süden Albaniens und in der Nähe von Zvërnec geplant. Es handelt sich um einen abgelegenen ehemaligen Militärstützpunkt, der als ultra-luxuriöses Reiseziel beworben wird. Dieser Bebauungsplan hat ähnliche Bedenken hinsichtlich der Privatisierung des öffentlichen Raums und der Auswirkungen auf ein ökologisch und historisch hochsensibles Gebiet hervorgerufen.
Die Bewegung wurde "Revolution der Flamingos" getauft, bezugnehmend auf die Vögel, die in der Lagune von Narta in Zvërnec leben. Bürger, die in Rosa gekleidet sind und den Flamingo als Symbol nutzen, sind zum Wahrzeichen der Bewegung geworden und haben diesen Vogel zu einem Emblem des Widerstands gegen eine Bebauung in Schutzgebieten und gegen die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht gemacht.
"Der Flamingo ist eine von über 200 Arten, deren Heimat die Lagune von Narta ist. Er ist heimisch und souverän. Er ist der rechtmäßige, angestammte Besitzer von Narta. Das Projekt von Kushner, das als unvermeidliche Entwicklung verkauft wird, wird sein Zuhause zerstören. Korruption und Habgier werden ihn enteignen, vertreiben und zur Abwanderung zwingen. In diesem Sinne spiegelt das Schicksal des Flamingos das vieler Albaner wider", erklärt Patris Pustina, Aktivistin einer der feministischen Gruppen bei den Protesten, gegenüber El Salto.
Eine Unzufriedenheit, die über Tourismusprojekte hinausgeht
Die Forderungen der Demonstranten gehen weit über die Zukunft des Zvërnec- oder Sazan-Projekts hinaus. Die Bevölkerung fordert die Abschaffung des Gesetzes über strategische Investitionen, Änderungen am Gesetz über Schutzgebiete und am sogenannten "Bergpaket" mit der Begründung, dass diese Reformen die Übertragung von staatlichem Land und natürlichen Ressourcen in private Hände erleichtert haben, während die lokalen Gemeinschaften von den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen wurden.
Joni Vorpsi, Mitglied der Organisation "Schutz und Erhaltung der natürlichen Umwelt" (PPNEA) in Albanien, bewertet die Bauarbeiten in Zvërnec als "Massaker" an der Natur. Das Gebiet Vjosa-Narta, betont er, ist eines der wichtigsten Schutzgebiete in Bezug auf die Artenvielfalt.
"Wir sind gegen eine solche Investition, weil sie zerstörerisch ist. Seit über einem Monat fahren die Maschinen ohne Umweltgenehmigungen dort hin und schädigen den natürlichen Lebensraum. Welchen Wert hat ein Schutzgebiet, wenn es von den Behörden nicht geschützt wird?", sagt Vorpsi gegenüber El Salto.
Der Aktivist weist darauf hin, dass die Arbeiten vor Ort bereits begonnen haben und die Organisation PPNEA dies öffentlich angeprangert hat. "Die Aufsichtsbehörde für den Schutz des Territoriums teilte uns mit, dass das Projekt Genehmigungen hat, aber auf dem Schild vor Ort sind weder die Baugenehmigung noch die Umweltverträglichkeitsprüfung aufgeführt", fügt er hinzu.
Für einen Großteil der Bevölkerung, die derzeit auf den albanischen Straßen demonstriert, geht es bei den Protesten nicht mehr nur um die Verteidigung einer Lagune oder der Flamingos. Die Tourismusprojekte von Kushner haben eine breitere Debatte darüber ausgelöst, wie sich das Land entwickelt, wem die großen Investitionen zugutekommen und wer das Recht hat, über die Zukunft des Territoriums zu entscheiden. Ervin Goci, Aktivist und Lehrer, argumentiert, dass der Fall Zvërnec zu einem Symbol für eine tiefere Unzufriedenheit mit der Machtausübung im Land geworden ist.
Mirela Ruko, Aktivistin der neuen linken Partei Lëvizja Bashkë, berichtet, dass sie vor Ort war, als es zur Gewalt durch die privaten Sicherheitskräfte kam. "Der Protest war friedlich, aber die Situation eskalierte, als unbekannte, schwarz gekleidete Personen Gewalt gegen die Demonstranten ausübten, während die Polizei nicht eingriff, um die Bürger zu schützen. Es gab körperliche Auseinandersetzungen, Einsatz von Pfefferspray und Versuche, diejenigen einzuschüchtern, die sich dem Projekt widersetzen", erklärt Ruko.
Laut der Aktivistin stellt sich ihre Partei gegen das Projekt, da es die Artenvielfalt eines Schutzgebiets bedroht, den lokalen Einwohnern schadet und ein Modell repräsentiert, bei dem die Interessen der großen Wirtschaftsmächte Vorrang vor dem öffentlichen Interesse haben.
Was sieht das Projekt vor und was steht auf dem Spiel?
Im Mittelpunkt der Debatte steht ein gigantisches Tourismusprojekt, das zwischen Zvërnec und Pishë-Poro in der Nähe der Lagune von Narta geplant ist, einem der wichtigsten und empfindlichsten Ökosysteme des Landes.
Laut öffentlichen Dokumenten würde das Projekt rund 437 Hektar umfassen, davon etwa 251 Hektar für Bauvorhaben auf einer Küstenlänge von etwa 15 Kilometern. Obwohl die endgültige Genehmigung noch nicht veröffentlicht wurde, lassen Studien auf einen Komplex mit Villen, Hotels, Apartments, Freizeitbereichen und einem Yachthafen schließen. Geplant sind Gebäude mit ein bis acht Stockwerken, mehr als 1.000 Villen, über 10.000 Hotelzimmer und Tausende von Apartments.
Der Standort ist der zentrale Punkt der Kontroverse. Die Lagune von Narta ist Teil eines Vogelzugkorridors und beherbergt Flamingos, Pelikane und Dutzende geschützter Arten. Für Aktivisten, Wissenschaftler und lokale Gemeinschaften würde eine Entwicklung dieser Größenordnung eine irreversible Veränderung der Landschaft bedeuten.
Die Kritiker argumentieren, dass das Problem nicht nur ökologisch ist, sondern auch das zugrundeliegende Modell betrifft: eine Entwicklung, die auf Luxustourismus und private Investitionen ausgerichtet ist, zum Nachteil des öffentlichen Zugangs, des Naturerbes und des Gemeinwohls.
Schattenseiten des Projekts: mangelnde Transparenz und offene Fragen
Über die Umweltdebatte hinaus ist das Projekt von einem gravierenden Mangel an Transparenz geprägt. Obwohl es als eine der größten Tourismusinvestitionen in der Geschichte Albaniens präsentiert wird, wurden viele Dokumente nicht öffentlich gemacht. Hinter dem Namen Jared Kushner treten albanische Unternehmer in Erscheinung, die der Macht nahestehen und laut einigen Untersuchungen eine problematische Vorgeschichte haben.
Der Journalist Vladimir Karaj, der den Fall seit mehr als zwei Jahren untersucht, weist auf die Undurchsichtigkeit der Eigentümerstruktur hin. "In der Unternehmensstruktur gibt es mindestens fünf anonyme albanische Anteilseigner, da die Anteile so verteilt sind, dass keine öffentliche Ausweisung erforderlich ist", erklärt er.
Den Untersuchungen zufolge soll der Bauträger über ein Netzwerk von in den Niederlanden registrierten Gesellschaften kontrolliert werden und die Endbegünstigten wurden nicht bekannt gegeben. Auch die Kastrati-Gruppe, einer der größten Konzerne des Landes, taucht auf, wobei ihre genaue Rolle nach wie vor unklar ist.
Ein weiteres Problem ist die Geschichte der Grundstücke, mit Rechtsstreitigkeiten, die sich über mehr als ein Jahrzehnt hinziehen, und Fällen, in denen der Oberste Gerichtshof gefälschte Dokumente entdeckt hat.
Für Karaj hat das zentrale Problem mit der Entscheidungsfindung zu tun. "Die Genehmigungen wurden vor über einem Jahr erteilt, aber die Dokumente wurden nicht veröffentlicht. Niemand weiß genau, was gebaut werden soll, wie viel investiert wird und wer davon profitieren wird", erklärt er.
Dieses Fehlen von Transparenz hat den Protest zu etwas Größerem werden lassen: einer Infragestellung des Systems der "strategischen Investitionen" in Albanien.
Eine Regierung, die das Projekt verteidigt
Die Regierung ihrerseits verteidigt den Bau des Resorts und präsentiert ihn als Teil der Transformation des Landes zu einem exklusiven Reiseziel am Mittelmeer.
Ministerpräsident Edi Rama hält daran fest, dass das Projekt nicht gestoppt wird, und betrachtet es als entscheidend, um Albanien unter die "Tourismus-Champions" zu bringen. Zwar hat er sich für einen Dialog mit den Kritikern des Projekts offen gezeigt, doch hat er seine Haltung nicht geändert.
Nach Angaben des Regierungschefs wird das Projekt auf Privatgrundstücken realisiert und habe keine Auswirkungen auf Schutzgebiete – was von Aktivisten und Umweltexperten zurückgewiesen wird.
In den vergangenen Tagen hat Rama seine Social-Media-Kanäle genutzt, um die Initiative zu verteidigen. Dafür verglich er sie mit internationalen Resorts und zeigte Bilder von Umweltverschmutzung in dem Gebiet als Argument für dessen Umgestaltung.
Die Regierung hat zudem mögliche externe Einflüsse hinter den Protesten angedeutet – eine Darstellung, die von den Organisatoren zurückgewiesen wird, die dieses Argument als Versuch der Delegitimierung betrachten. Parallel dazu haben regierungsnahe Medien Informationen über angebliche Zahlungen aus dem Ausland verbreitet und verwendeten dabei sogar mit künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder.
All dies geschieht zeitgleich mit der Einleitung einer Untersuchung durch die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft zu den Gesetzesreformen von 2024 im Zusammenhang mit Schutzgebieten.
Die Demonstranten haben jedoch nicht vor, das Handtuch zu werfen: Sie lehnen einen Dialog mit dem Ministerpräsidenten ab, zweifeln an dessen Ergebnissen und versichern, dass sie die Proteste fortsetzen werden – mit Forderungen, die sie als nicht verhandelbar betrachten.
Aus dem Spanischen übersetzt von Olga Espín
Arbjona Çibuku ist eine Investigativjournalistin aus Albanien.
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