In seiner Rede am vergangenen Donnerstag anlässlich der 81. Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York hob der südafrikanische Außenminister Ronald Lamola die Chancen Künstlicher Intelligenz (KI) und neuer Technologien hervor.
Gerade der afrikanische Kontinent sollte eine bedeutendere Rolle als bisher bei der Entwicklung dieses Bereichs spielen und auch die Ausarbeitung globaler Regeln diesbezüglich mitgestalten, erklärte der Außenpolitiker vom Kap der Guten Hoffnung.
Lamola begründete diesen Anspruch mit der jugendlichen Bevölkerung des Kontinents und den reichen afrikanischen Rohstoffvorkommen, insbesondere was kritische Mineralien und seltene Erden angeht. Lamolas Hoffnung: Durch diesen Ressourcenreichtum könnte sich die Kluft zwischen reicheren und ärmeren Ländern verringern und afrikanische Staaten ihrerseits ihren Beitrag zur KI-Innovation leisten.
Besonders an die jungen Leute, deren Anzahl in Afrika hoch ist, setze er hohe Erwartungen, damit die afrikanischen Länder nicht nur als Rohstofflieferanten dienen: "Wir haben eine junge Bevölkerung, die bereit ist, eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung kritischer Mineralien sowie in Forschung und Innovation für künstliche Intelligenz zu spielen."
Zugleich forderte Ronald Lamola für den afrikanischen Kontinent Partizipation bei der Gestaltung weltweit geltender KI-Regeln ein: "Afrika muss ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Regeln haben, die die Entwicklung und den Einsatz künstlicher Intelligenz regeln", erklärte der südafrikanische Außenminister vor der UN‑Vollversammlung. Generell sollten Entwicklungsländer stärker an der KI-Governance und der Entwicklung neuer Technologien beteiligt sein.
Auch brauche es eine Reform der globalen Institutionen, insbesondere des UN‑Sicherheitsrats. In einer Diskussion des Council on Foreign Relations am Rande der UN-Generalversammlung erläuterte Lamola, dass es immer schwerer zu rechtfertigen sei, dass afrikanische Staaten im UN-Sicherheitsrat nicht als ständige Mitglieder vertreten seien.
Lamolas Rede vor den UN entspricht damit der südafrikanischen Politik, sich stärker auf die Entwicklung neuer Technologien und deren Regulierung zu konzentrieren. Zu Beginn des Monats hatte Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa den BRICS-Staaten die Einrichtung eines internationalen Mechanismus zur unabhängigen wissenschaftlichen Bewertung von KI vorgeschlagen. KI-Firmen müssten formellen externen Kontrollen und staatlicher Aufsicht unterliegen, so Ramaphosa.
Südafrika besitzt eine schnell wachsende KI- und Tech-Landschaft, wobei vor allem die großen Städte Kapstadt und Johannesburg als Hauptzentren hervorstechen. Das Land fungiert als digitales Drehkreuz des afrikanischen Kontinents.
So zählt der Supercomputer der Cassava AI Factory im Kapstadter Rechenzentrum von Africa Data Centres zu den leistungsstärksten Rechnern weltweit. Und das Johannesburger Unternehmen Lelapa AI hat eine auf Afrika spezialisierte Sprachtechnologie entwickelt, die mit begrenzter Rechenleistung auskommt. Der Bedarf ist vorhanden, denn der Sprachenreichtum in Afrika ist groß. Allein Südafrika besitzt elf Amtssprachen.
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